Samstag, 17. Mai 2014

Essen im Dunkeln

Gestern war ich mit meiner besten Freundin essen. Aber nicht einfach irgendwo, sondern im Finster. Das ist ein Restaurant, in dem sehbehinderte und blinde Menschen arbeiten. Die sehenden Gäste sitzen aber in einem Raum komplett im Dunklen. Ich hatte im TV einen Bericht über solche Lokale gesehen und wollte das unbedingt einmal ausprobieren, wollte wissen, wie es ist, wenn ein Sinn nicht da ist. Und was soll ich sagen, ich bin immer noch ganz beeindruckt. Alles fühlt sich anders an, es riecht anders, ich hatte kein Gefühl für die Größe des Raumes. Man unterhält sich mit Menschen, die man nicht sieht... Spannend wurde es dann, als das Essen kam. Man konnte das Menü wählen, wusste aber nicht, was im einzelnen auf dem Teller war. Ich habe mich für vegetarisch, meine Freundin für Schwein entschieden. Dann ging es los. Wo ist der Teller, wo das Essen auf dem Teller? Muss man etwas klein schneiden, wenn ja, wie macht man das, wenn man nichts sieht? Es war eine neue, spannende Erfahrung. Mehr als einmal ging die leere Gabel zum Mund und je leerer der Teller wurde, desto schwieriger wurde es. Aber letztendlich lernt der Mensch relativ schnell, sich anzupassen und entwickelt schnell eine Technik, um zum Erfolg zu kommen.
Ebenfalls interessant war, zu überlegen, worüber und wie unterhält man sich, wenn man nicht sieht, wer und was im Raum ist? Wird man vorsichtiger oder ungehemmter? Schließlich sieht man nicht nur nichts, sondern wird auch nicht gesehen. Wir waren etwas vorsichtiger, anders war es als sonst, wenn wir losziehen. Andere Themen, andere Unterhaltung.
Wenn man dann fertig ist und aus dem dunklen Raum wieder ans Tageslicht kommt, erfolgt die Auflösung dessen, was man gegessen hat. Ich habe nicht alles erkannt, was ich auf dem Teller hatte, habe mehr als einmal daneben gelegen. Meine Freundin war besser als ich, hat aber auch nicht alles richtig geraten.
Alles in allem war es eine unglaubliche Erfahrung und ich bin froh, dass ich mich getraut habe, das mal zu probieren. Mein Respekt vor den Menschen, die täglich damit leben, dass ihnen ein Sinn fehlt, ist gewachsen und ich fand es lehrreich, das probieren zu können. Gegessen haben wir super gut und lecker, wir werden das bestimmt noch einmal wiederholen.

Kommentare:

Claudia Gerrits hat gesagt…

Wahnsinn! Echt spannend, weiß nicht ob das was für mich wäre. Man muss sich einfach trauen.. Aber ich stell mir das echt schwierig vor und ich glaube ich hätte auch etwas Angst wegen dem Dunkel!
GlG Claudi

TAC hat gesagt…

Das würde ich auch sehr gerne mal probieren. Gehört hab ich von solchen Restaurants auch schon und finde es sehr spannend.
Na irgendwann mal...

LG von TAC

marry hat gesagt…

Hallo Mumaus,
für mich wäre das nichts. Du hast deine Erfahrung sehr "anschaulich" geschildert.

Liebe Grüße
Marry

Frau nima hat gesagt…

Das haben der Held und ich vor ein paar Jahren auch gemacht - ich war noch dem Essen richtig müde, dass ist nämlich wahnsinnig anstrengend, wenn einer der wichtigsten Sinne aufeinmal "ausgeschaltet" wird. Aber wir reden heute noch davon - es war wirklich ein prägendes Erlebnis!

Alles Liebe nima